Hermann Behnken gehörte zu den führenden Pionieren der Radiologie in Deutschland und gilt als „Vater" der inzwischen veralteten Dosiseinheit „Röntgen“ (1). Seine wissenschaftliche Heimat war die Physikalisch-Technische Reichsanstalt in Charlottenburg, an die er 1913 berufen wurde und der er bis zu seinem Tod verbunden blieb.
Nach dem Ersten Weltkrieg war die Strahlungsmessung noch ungenau und uneinheitlich. Gemessen wurde mit einer Vielzahl von Verfahren, die häufig an der Hautreaktion des Patienten geeicht waren und sich kaum von einem Labor zum nächsten übertragen ließen. Behnkens physikalische und technische Arbeiten ab 1919 trugen entscheidend dazu bei, auf dieser unsicheren Grundlage das solide Fundament der modernen Präzisionsdosimetrie zu legen (2).
Zu Beginn der zwanziger Jahre konstruierte er, aufbauend auf einem Prinzip der Firma Siemens & Halske, eine Druckluftionisationskammer, die als „Faßkammer" bekannt wurde. In ihrem auf mehrere Atmosphären verdichteten Luftvolumen ließ sich die Ionisationswirkung der Röntgenstrahlung exakt messen und daraus eine rein physikalisch definierte Dosiseinheit ableiten, das „Röntgen". Behnken konzipierte das Gerät als Eichnormal. 1924 nahm die Deutsche Röntgengesellschaft die Einheit an und machte sie in Deutschland verbindlich (3).
Behnken arbeitete darauf hin, seine Messmethodik auch international durchzusetzen. 1927 legte er die Absolutbestimmung des „Röntgen" an der Reichsanstalt vor und führte mit seiner Kammer Vergleichsmessungen am National Bureau of Standards in den USA durch (4). Die gute Übereinstimmung der Werte trug maßgeblich dazu bei, dass auf dem zweiten Internationalen Radiologenkongress in Stockholm 1928 das „r“ als erste international verbindliche Dosiseinheit angenommen wurde, wobei die deutsche Definition wesentlichen Anteil hatte (5). Dieser größte wissenschaftliche Erfolg Behnkens zog zahlreiche Ehrungen nach sich, darunter 1928 die Ehrenmitgliedschaft im American College of Radiology und 1939 der Vorsitz der Deutschen Röntgengesellschaft.
Sein Wirken an der Reichsanstalt war nachhaltig durch die beiden Weltkriege gezeichnet. Von den 33 Dienstjahren verbrachte er rund ein Drittel als Soldat. Aus dem Ersten Weltkrieg kehrte er verwundet und hoch dekoriert zurück. 1940 wurde er als Reserveoffizier erneut eingezogen, zunächst an der Front, später in wissenschaftlichen Aufgaben. Im April 1945 fiel er als Oberstleutnant der Luftwaffe in der Schlacht um Berlin (6).
Behnken war Mitinitiator des Deutschen Röntgen-Museums und ein international gefragter Gutachter für Institute, Industrie und Behörden auf dem Gebiet der Strahlenforschung und der Dosimetrie. Rund 35 wissenschaftliche Abhandlungen gehen auf ihn zurück, darunter mehrere Beiträge über Röntgenstrahlen im Handbuch der Physik. Gewähltes oder Ehrenmitglied war er in folgenden wissenschaftlichen Gesellschaften:
Hermann Behnken hat die Strahlenmessung aus ungenauen Anfängen zu einer exakten Wissenschaft geführt. Sein beharrlicher Einsatz für vergleichbare, physikalisch fundierte Messungen und sein frühes Wirken über Ländergrenzen hinweg machten ihn zu einer der prägenden Gestalten der Radiologie seiner Zeit.
Text: Oli Feiler (Juni 2026, Berlin).